Watvögel bei Yverdon-les-bains

Im Rahmen eines Watvögelkurses bin ich Teil einer Gruppe von rund 20 Vogelliebhaber:innen, die Ende April an einem Sonntag mit mässig schönem Wetter – um es genau zu nehmen ist es ab einem Zeitpunkt Dauerregen – die Region um Yverdon besucht. Yverdon liegt am südwestlichen Ufer des Neuenburgersees, der am Süd- und Ostufer das grösste zusammenhängende Feuchtgebiet der Schweiz – die Grande Cariçaie – mit Schutzstatus nach der Ramsar-Konvention beherbergt. Unser Hauptziel sind jedoch nicht diese vielfältigen Schutzgebiete entlang der Uferbereiche, sondern eine etwa 5 ha grosse Ackerfläche etwa eine halbe Stunde Gehzeit ausserhalb von Yverdon in der Orbe Ebene. Dort haben die Stadt Yverdon, Vogelschützer und Landwirte ein Projekt eingerichtet, in dem jährlich einmal die ganze Fläche für etwa 3 Monate gezielt aus dem Fluss Zihl (frz. La Thielle) geflutet wird, um verschiedenen zu den Brutplätzen im Norden ziehenden Watvögeln einen Rast- und Futterplatz zu bieten. Von den Watvögeln und anderen Arten wird diese Möglichkeit sehr dankend angenommen und für viele Vogelfreunde bietet sich auf einem begrenzten Gebiet die Möglichkeit, diese wunderschönen und faszinierenden Vögel aus nächster Nähe zu beobachten.  

Die Watvögel – im Fachjargon auch Limikolen oder fachlich sehr korrekt Regenpfeiferartige genannt – ist eine Gruppe von besonders hübschen und in vielerlei Hinsicht aussergewöhnlichen Vögeln. Kennzeichnende Merkmale für diese Gruppe von Vögel sind: meist sehr lange Zugwege (Langstreckenzieher), Geselligkeit in grossen Gruppen und ruffreudig, Spezialisten für Feuchtgebiete, ernähren sich überwiegend tierisch, brüten am Boden und sind Nestflüchter. Die ganze Gruppe der Regenpfeiferartigen umfasst rund 380 Arten, die eigentlichen Watvögel etwa 200 Arten, regelmässige Brutvögel in Europa sind etwa 40 Arten und in der Schweiz sind es lediglich 4 Arten, die regelmässig zu mehreren hundert Paaren brüten: Waldschnepfe, Flussregenpfeifer, Flussuferläufer und Kiebitz. Was aber aufgrund der regen Zugtätigkeit dieser Vögel möglich ist, ist deren Beobachtung auf ihren Zugwegen, wenn sie mal wo Rast einlegen und sich auftanken und Energiereserven aufbauen. Und an genau so einem Platz stehen wir an diesem Sonntagmorgen nebeneinander verteilt auf einem Damm mit Feldstechern und mehreren Fernrohren bestückt und schauen in die überflutete Fläche.

Der Kursleiter bittet uns, uns zuerst mal selbst einen Überblick zu verschaffen und zu sehen, welche Arten wir von selbst erkennen können. Hier kommen die Tücken der Feldornithologie voll zum Ausdruck, wenn es zu Hause gut gelingt, Vögel im Buch anhand von Fotos zu bestimmen, und wenn man dann mit dem Fernglas hier steht, in die Weite schaut und unzählige sich bewegende Vögel sieht, die man sonst nur sehr selten live zu Gesicht bekommt. Mit Unterstüzung gelingt es uns nach und nach aber immer besser, die verschiedenen Arten mittels der Verwendung von prägnanten (in der Fachsprache diagnostischen !) Mermalen zu erkennen.

Der grösste Watvogel auf der Flutfläche ist der elegante, schlanke, langbeinige und langschnäblige Grünschenkel. Mehrere davon sind in Kleingruppen à drei bis fünf Exemplare unterwegs und stochern mit ihren langen, leicht nach aufwärts gebogenen, Schnäbeln im Schlick nach Fressbarem. Sie haben eine ruhige Art, bewegen sich eher gemächlich, sind oben braun-grau gemustert und unten am Bauch weiss. Ihre Flügelspannweite beträgt rund 60 cm und sie wiegen bis etwa 270 g. Ganz ähnlich im Verhalten an diesem Tag ist eine Gruppe von vier Kampfläufern. Diese wirken äusserlich einheitlich braun, haben einen dunklen deutlich kürzeren Schnabel und sind dafür bekannt, dass sie über ein sehr komplexes Paarungssystem verfügen und die Männchen als ein Ausdruck davon in der Paarungszeit zum Teil sehr auffällige und sehr vielfältige Prachtkleider anziehen, die von fast vollständig weiss bis fast vollständig schwarz in alle erdenklichen Varianten in Balzarenen präsentiert werden. Leider sind sie so bei uns nur selten zu sehen.

Von der Anzahl her am häufigsten an diesem Tag und schon eine Stufe kleiner (rund 90 g und 40 cm Flügelspannweite) sind die auf die Entfernung unauffällig wirkenden aber aus der Nähe anmutig gezeichneten Bruchwasserläufer. Sie haben einen mittellangen Schnabel, einen hellen Überaugenstreif, sind auf der Oberseite braun mit weisen Federenden, an der Brust und am Hals gesprenkelt und auf der Unterseite weiss. Ein bisschen kleiner und deutlich einheitlicher gezeichnet, nämlich oben dunkelbraun und unten weiss, sind auf der ganzen Wiese verteilte einzelne Exemplare des Flussuferläufers. Diese sind an ihrem weissen „Komma“ oder Keil auf der Seite und einem auffälligen Wippen des Hinterkörpers gut auch aus der Entfernung zu erkennen. Diese Vogelart brütet nach wie vor in geringen Zahlen an verschiedenen Standorten in der Schweiz.

Sehr hübsch anzusehen und bei mir mit einem Staunen verbunden, wenn ich sie durch das Fernglas entdecken kann, sind verschiedene Sandregenpfeifer. Sie sind ebenfalls oben einheitlich braun und unten weiss, aber sie haben eine schwarz Augenmaske und ein schwarzes Halsband, dazwischen einen weissen Ring und einen orangen Schnabel mit einer schwarzen Spitze. Sehr typisch für den Sandregenpfeifer sind schnelle Sprints mit plötzlichen Stopps, um Nahrung aufzupicken und das Trippeln auf der Stelle. Ähnlich im Aussehen aber noch viel feiner gebaut sind die Flussregenpfeifer. Sie haben einen dunklen Schnabel und einen auffälligen gelben Lidring. Auch ihnen ist ein schnelles Rennen mit abrupten Stopps und Trippeln auf der Stelle eigen. Flussregenpfeifer brüten über ganz Mittel- und Südeuropa verteilt im Binnenland. Ihre ursprünglichen Lebensräume, natürliche Flussläufe mit Sand- und Kiesflächen, sind in den letzten Jahrzehnten immer seltener geworden. In der Schweiz brüten diese Vögel noch mit etwa 100 Paaren.

Die ganze Gruppe von Birdern ist nach rund zwei Stunden intensivem Beobachten, Vergleichen, Austauschen mit den andern, Bewundern und Staunen, beglückt, soviel konzentriere Schönheit bewundern zu dürfen. Auf der einen Seite ist es wohltuend zu sehen und sehr zu begrüssen, dass sich Menschen zusammengefunden haben in so einer Initiative und ein von Menschenhand geschaffenes Habitat pflegen. Auf der anderen Seite ist es ein Drama, dass so etwas derart notwendig ist und durch die vielzählige Annahme durch die Vögel ein Ausdruck von deren grossen Not. Ich hoffe sehr, dass dieses Projekt als Beispiel dienen kann und viele weitere folgen und irgendwann sogar wieder vermehrt derartige Lebensräume durch Renaturierungen entstehen. Die Watvögel würden es uns danken und könnten weiterhin die vielen Länder durch ihre Zugwege miteinander verbinden, ihre aussergewöhnlichen, gelegentlich melancholischen Rufe erklingen lassen und die verschiedenen Lebensräume mit ihren zum Teil immens langen Schnäbeln pflegen.

Spechtbalz in den Langen Erlen

Zwischen Basel, Riehen, Weil am Rhein und Lörrach liegt auf beiden Seiten des Flusses Wiese das etwa 6 Quadratkilometer grosse Natur-,Trinkwasser- und Naherholungsgebiet „Landschaftspark Wiese“. Dieser entstand 2001 als grenzüberschreitendes Projekt zum Erhalt der Kultur- und Auenlandschaft. Auf der deutschen Seite wird das Gebiet Mattefeld genannt, auf der schweizerischen Seite Lange Erlen. Die Wiese entspringt im Schwarzwald unweit des Feldbergs und von den rund 58 km Flusslänge liegen nur die letzen sechs auf schweizerischem Boden. Ursprünglich war die Wiese im Unterlauf ein breit mäandrierender Fluss und die dominierende Baumart im ehemaligen Auenwald war die Schwarzerle. Von daher kommt der Name. Nach und nach wurde die Wiese gezähmt und in einen engen Kanal gelegt. Ab den 1990er Jahren erfolgte langsam ein Umdenken.  So wurde im Bereich des Tierparks Lange Erlen etwa 600 Meter Flusslauf revitalisiert. Weitere Massnahmen sollen im Rahmen des Projektes WieseVital noch folgen. Das Gebiet verfügt über vielfältige Biotope wie Wiesen, Sträucher, Auenwald, Tümpel und Weiher und bildet einen wichtigen Verbindungspunkt zwischen den nahegelegenen Naturräumen Kiesgrube Käppelin, Tüllinger Berg und Dinkelberg. Im ganzen Gebiet verteilt gibt es verschiedene Naturschutzgebiete wie die Entenweiher, die Eisweiher oder das Reservat Weilmatten.

Durch die vielfältige Strukturen wie Wiesen, Weiher, Bäche, Hecken, lichter Wald und alte Bäume verfügt das Gebiet trotz der engen Umsäumung von städtischer Agglomeration über eine vielfältige Vogelwelt. Für Meisen, Drosseln, Laubsänger, Zaunkönig, Rotkehlchen, Graureiher, Eisvogel, Enten, Finken, Tauben und einige Greifvögel bietet sich ein reichhaltiger und vielfältiger Lebensraum. Ganz besonders gut geeignet scheint das Gebiet auch für Spechte zu sein. Ohne grosses Suchen lassen sich Bunt-, Mittel-, Grün- und Schwarzspecht ausmachen. Wahrscheinlich auch präsent aber schon deutlich weniger leicht zu entdecken sind der Grau- und der Kleinspecht. So kommen im Landschaftspark Wiese sechs der zehn in Mitteleuropa vorkommenden Spechte vor.

In diesem Beitrag wenden wir uns der äusserst faszinierenden und komplexen Balz der Spechte zu. Mitte März 2024 befinden sich die Spechte in den Langen Erlen voll in der Balz. Diese dauert insgesamt einige Wochen, was damit zu tun hat, dass Spechte relativ lange brauchen, um sich aus einem Revierverteidigunsverhalten heraus an einen Partner oder eine Partnerin zu gewöhnen. Über die Balz wird das Einzelgängerdasein der Spechte mit eigenen Revieren für die Zeit der Brut und der Jungenaufzucht mit einem beträchtlichen Kraftaufwand überwunden. „Stilmittel“ in der Spechtbalz sind laute Rufreihen, Trommeln, Scheinangriffe, Signalfarben, Verfolgungsjagden am Baum und in der Luft. Mit dem Trommeln – das vor allem beim Buntspecht (0.6 bis 0.8 Sekunden mit etwa 10 bis 15 Schlägen und beim Schwarzspecht (2.5 Sekunden mit etwa 40 Schlägen) sehr ausgeprägt ist – und lauten Rufen und Rufreihen (kixkix beim Bunspecht, kwoih-kwikwikwi beim Schwarzspecht) machen die Spechte auf sich und das von ihnen besetzte Revier aufmerksam. Auch die Weibchen trommeln, aber in der Regel weniger oft und kürzer. Dadurch nähert sich ein zweiter Specht und es kommt zu unzähligen Verfolgungsjagden zwischen Männchen und Weibchen und gelegentlich ist noch ein zweites Weibchen oder Männchen dabei, bis sich das zu einem Paar aussortiert. Die Spechte schiessen mit einigen Meter Abstand durch die Luft, der erste klatscht an einen Baum, der andere wenig später etwas versetzt auch. Dann „rennt“ der erste in Spiralen den Baum hoch und der zweite verfolgt ihn. Oben angekommen geht es wieder durch die Luft weiter. Der Balzflugruf beim Buntspecht klingt etwa wie ein langes kikrrkrrkrr, sehr ähnlich dem Ruf einer Misteldrossel. Beim Schwarzspecht ist es das magische krrü-krrü-krrü. Die rot leuchtenden Gefiederpartien – Hauben und Nacken, beim Bunt- und Mittelspecht auch die Unterschwanzdecken – werden intensiv eingesetzt und möglichst wirkungsvoll gezeigt.

Der Trommelwirbel und die kikiki Rufe sind beim Kleinspecht ähnlich denen des Buntspechts, aber viel feiner. Durch den viel kleineren Schnabel klingt das Trommeln des Kleinspechts ein bisschen wie eine Nähmaschine. Beim Mittelspecht sehen die Männchen und Weibchen sehr ähnlich aus, und eine grosse Besonderheit in der Vogelwelt ist der in Balzzeit allgegenwärtige qäukende Ruf des Männchens, mit dem er die Weibchen auf sich aufmerksam macht und sie dann zu den schon fertigen oder angefangenen Bruthöhlen lockt. Es sei hier erwähnt, dass auch der Wendehals, der nur unweit von der Wiese am Tüllinger Hügel anzutreffen ist, über einen ganz eigenen Balzruf verfügt, der aus verschieden schnellen und lauten gäh Elementen besteht.

Erst wenn die innerartliche Aggression auf ein bestimmtes Mass gesenkt werden konnte – ganz verschwindet sie bei Spechten nie – kommt es zu den ersten Höhlenbesichtigungen und zu Kopulationen meist in der Nähe der potentiellen Bruthöhle. Bei den Höhlen gibt es schon fertige Höhlen, die auch zum Schlafen genutzt werden, und angefangene Bauprojekte. Das gemeinsame weitere Ausbauen oder die Säuberung von durch andere Vögel benutzen Höhlen kann dazu dienen, die Partnerbindung zu stärken. Die Spechte betreiben eine Art „Höhlenmanagement“ und sorgen so für immens wertvolle Strukturen für sehr viele andere Vögel und Tierarten. Die Höhlenbautätigkeit der Spechte ist eine eigene Thematik für sich, die ich mal in einem weiteren Artikel beleuchten möchte.

Meisen in der Reinacher Heide

Zwischen Dornach (SO) und Reinach (BL) liegt mitten im Siedlungsgebiet ein Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung: die Reinacher Heide. Bequem mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, bietet sie das ganze Jahr über gute Beobachtungsmöglichkeiten. In dem nur etwa 40 ha grossen Gebiet an der Birs finden sich verschiedene Habitate dicht beieinander: das Flussgewässer, Auwenald, Schotterlfächen und Magerwiesen. Die trockenen Bereiche entstanden in einer ehemals weitläufigen Fluss- und Auenlandschaft durch die Begradigung der Birs, die sich dadurch tiefer ins Flussbett eingrub, und so die trockenen Standorte in der Nähe des Gewässer mit ermöglichte.

Bei den Meisen ist jetzt überall der schöne „Frühlingsgesang“ der Kohlmeise in unzähligen Varianten zu hören. Ti-ta ti-ta ist nur eine davon. Für mich ist diese freudig-fröhliche Stimme jedes Jahr der Beginn der längeren Tage mit mehr Licht und der erwachenden und überall spriessenden Natur. Neben den vielen Gesangsvarianten haben die Kohlmeisen auch ein grosses Repertoire an Rufen, die selbst erfahrene Ornithologen immer wieder erstaunt zurücklassen, wenn sie den Urheber der nicht zuordenbaren Lautäusserungen entdecken. Auch die Blaumeisen sind voll aktiv und singen ihr schönes, zartes, silbriges Liedchen teilweise während sie von Ästchen zu Ästchen hüpfen oder sie begeben sich mal explizit auf eine Warte auf einem hohen Stängel oder einer exponierten Stelle im Gebüsch oder in einem Baum.

Das Erscheinen der Sumpfmeisen registriere ich meistens, wenn ich mir denke, ich habe etwas Meisenähnliches gehört, aber es ist ziemlich ungewöhnlich. Entweder ist es das pist-ja(tschä) oder eine harte Folge von tjip-tjip-tjip, tjä-tjä-tjä oder wita-wita-wita, letzteres dem Gesang der Tannenmeise durchaus sehr ähnlich. Wenn ich das Vögelchen dann entdecke und den Gesang mit dem Aussehen verbinden kann, freut es mich immer besonders, weil die Sumpfmeisen sich noch schneller und anmutiger durch die Vegetation bewegen als die anderen Meisen. Einer meiner liebsten Waldgesänge präsentiert die Haubenmeise. Die schärferen Eingangstöne enden in einem schnurrenden warmen Triller dürr-dürr. Sie turnt meistens hoch oben in Nadelbäumen durch das Geäst. Wenn ich sie mit dem Fernglas erspähen kann, komme ich jedesmal wieder aufs Neue ins Staunen, ob dieser wunderschönen schwarz-weissen Kopfzeichnung mit Krause, Sprenkel und dieser zauberhaften Federhaube. Diese beiden Arten, die Sumpf- und die Haubenmiese, können ihre Nisthöhlen selbst in morschen Bereichen von Bäumen bauen. Die Sumpfmeise macht dies eher gelegentlich, die Haubenmiese meistens. Einmal hatte ich das Glück, eine Haubenmeise dabei zu beobachten, wie sie sich unermüdlich am oberen Ende eines abgebrochenen Baumstamms durch das aufgeweichte Holz arbeitete. Dies blieb mir als besonderes Erlebnis in Erinnerung. In ähnlichen Gefilden unterwegs wie die Haubenmiese ist die äusserlich eher unscheinbare Tannenmeise. Sie ist vor allem charakterisiert durch einen grossen weissen Nackenfleck im sonst schwarzen Kopfbereich und ist fast noch schwerer zu entdecken als die Haubenmeise, da sie meistens eng an den Nadelästen ihr Futter sucht. Ihr Gesang ist ein charakteristisches wize-wize-wize.

Die Familie der Meisen (Paridae) ist gekennzeichnet durch kleine, kompakte Vögel von rund 10 bis 15 cm Länge, 17 bis 20 cm Spannweite und etwa 10 bis 12 g bei den kleineren Meisen und bis zu 20 g bei der Kohlmeise. Die Schnäbel sind kurz und kräftig, die Ernährung besteht überwiegend aus Insekten und Samen. Die Färbung ist abwechslungsreich mit hellen weiss-beigen, über grau-bräunliche bis zu gelb-schwarzen und blauen (bei der Blaumeise) Farbtönen. Sie sind allesamt quirrlige, gesellige und liebliche Vögel, die sich schnell durch das Geäst bewegen, gerne ihre vielfältigen Laute äussern und für mich meistens eine fröhliche und lebendige Stimmung verbreiten. Ich sehe sie eng verbunden mit der Pflege von Sträuchern und Bäumen und sie bilden eine Art Grundbesetzung in ganz verschiedenen Naturräumen. Eine ganz wichtige Aufgabe nehmen sie durch ihre Präsenz und Sichtbarkeit in der Nähe von Menschen in der Verbindung von diesen mit der Natur wahr.

Brachvögel und Pfeifenten

Zum Jahreswechsel 23-24 besuchte ich traditionell meine Familie in Vorarlberg, die in Lustenau am Rhein wohnt. In dieser Gegend befand sich ursprünglich ein riesiges Sumpfgebiet, in dem sich in einem gemeinsamen Delta neben dem Rhein auch die Dornbirner Ach und die Bregenzer Ach auf dem Weg in den Bodensee befinden. Heute sind die Flüsse in diesem Abschnitt grösstenteils kanalisiert, und vom ursprünglichen Delta sind noch einige schöne Reste vorhanden. Heute besteht hier ein etwa 2’000 Hektar grosses Natura-2000 und Ramsar Naturschutzgebiet. Wenn ich zu Hause bin, ist eines meiner ersten Vorhaben meistens eine Erkundungstour in dieses Gebiet. An diesem Tag war ich unterwegs auf einem Damm von Fußach Richtung Rohrspitz. Da dehnen sich rechter Hand grosse Schilfflächen und Uferbereiche aus und linker Hand extensive Wiesen mit feuchten Abschnitten, Kanälen und offenen Teichen.

Im Vordergrund der Pfeifententrupp, im Hintergrund die Brachvögel, Robert Mršić

An so einem Teich hörte ich schon aus der Entfernung den charakteristischen melancholischen „Kur-li“ Ruf des Grossen Brachvogels als auch den Glissandopfiff „Wiu“ der männlichen Pfeifente. Als ich näher hinkomme, sehe ich einen grossen etwa 300 bis 400 Individuen zählenden Pfeifententrupp und rund 80 bis 100 Grosse Brachvögel einmütig miteinander ihren Winterbeschäftigungen nachgehen.

Der Brachvogel ist ein sehr hübscher, grossbeiniger und eleganter Watvogel mit einem sehr langen Schnabel. Der grösste dieser Art in Europa. Eine Gruppe steht in einem Flachwasserbereich und badet das Federkleid. Andere sind am Uferrand und picken mit ihren Schnäbeln Insekten und Weichtiere aus der Wiese. Sie können mit dem pinzettenartigen Schnabel auch ausgezeichnet im Schlamm nach Essbarem stochern. Ab und zu fliegt ein kleiner Trupp auf und wechselt den Platz. Eine Gruppe ist auch mitten in der Wiese unterwegs, wo sie sich in weiten Abständen zueinander in eine Richtung fortbewegen. Der Flug ist schön anzusehen, offenbart ihre kompakte Flugform, ihren weissen unteren Rücken und ihre langen gebogenen Schnäbel.

Grosser Brachvogel, birds-online.ch

Die Pfeifenten sind sehr gesellige Entenvögel. Sie sind meistens eng zusammen, sowohl im Wasser als auch an Land. Wenn sie aus dem Wasser in die Wiesen gehen, sieht es aus wie eine zusammenhängende, gemeinsam fliessende Entengruppe. Ähnlich wie sich flüssiger Teig langsam auf einer Oberfläche ausbreitet. In der Wiese weiden sie, sich langsam in eine Richtung bewegend, genüsslich Gräser ab. Die rostbraunen Köpfe und die weisen Flügelfelder der Männchen sind gut von freiem Auge zu erkennen. Die Brachvögel sind locker am Rand der grossen Entenformation verteilt. Nach einiger Zeit „fliessen“ die Pfeifenten wieder, ähnlich wie sie rausgekommen sind, ins Wasser zurück.

Männliche und weibliche Pfeifenten, birds-online.ch

Beide Arten sind sogenannte „Wintergäste“ bei uns. Sie brüten im hohen Norden und suchen im Winter gemässigtere Gebiete auf. Der Brachvogel war früher noch einigermassen verbreitet als Brutvogel bei uns, aber mit den bekannten Entwicklungen ist er das heute nicht mehr. Im Winter sind beide Arten in recht guten Zahlen am Bodensee, am Neuenburger See und auch am Klingnauer Stausee zu sehen.

Ich konnte mich an diesem Tag kaum lösen von diesem schön anzusehenden Wintercamp. Dieses gemütliche, lockere und friedliche Zusammensein dieser beiden schönen Vogelarten erfüllte mich mit anhaltender Freude und der Hoffnung, solche Szenerien regelmässiger sehen zu können.